Zoom-Müdigkeit: Endlich Ruhe nach dem Boom?

Zoom – eine Plattform, die jedem geläufig ist. Privatpersonen, Institutionen und Unternehmen waren plötzlich vollends auf Videokonferenzdienste angewiesen und Zoom deckte diesen Bedarf. Doch nach dem Coronaboom hört man kaum noch etwas davon…

Die Deutsche Bahn hat vor Kurzem gestreikt. Menschen ohne Auto realisieren manchmal gar nicht, wie sehr wir auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, bis diese dann ausfallen. Um es kurz zu machen: Die Leute wussten nicht mehr, wie sie von A nach B kommen – in meinem Fall waren es Student:innen und Dozent:innen, die nicht mehr wussten, wie sie zur Universität kommen. Entweder fallen die Vorlesungen aus oder es werden Alternativen genutzt.
 
Der Vorschlag meines Dozenten, den Unterricht über Zoom abzuhalten, kam mir seltsam vor, wo ich doch einen großen Teil meines Bachelorstudiums auf dieser Plattform verbracht hatte. Das Ganze schien plötzlich so fern. Der Gedanke weckte verschiedene Gefühle in mir. Ich stellte mir vor, wie wir alle vor unseren Laptops saßen, die Teilnahme fiel deutlich schwerer und die Motivation ließ letztlich nach. Meine Vorfreude auf den Unterricht schwand – schade, dachte ich. Dabei arbeite ich doch auch remote und habe die Videokonferenzen immer als angenehm empfunden. Wahrscheinlich ist es eher die Erinnerung daran, wie viel man verpasst hat, wie wenig man machen konnte, und wie lange man vor dem Bildschirm saß.

Zoom für Unternehmen

Das betrifft nicht nur mich. Mit dem Ende des Coronavirus-Booms versuchen einige Menschen dieses Kapitel hinter sich zu lassen – einschließlich der Plattformen, die davon geprägt wurden. Doch Zoom blieb für viele Unternehmen ein wichtiger Bestandteil. So, wie es ursprünglich für diesen Dienst geplant war. “Wir haben Zoom entwickelt, um die Schwierigkeiten zu beseitigen, die Unternehmen bei einer Kooperation hatten”, erklärte CEO des Videokonferenz-Unternehmens Eric S. Yuan.
 
Aufgrund der Pandemie wurde der Dienst jedoch für die unterschiedlichsten Aktivitäten genutzt: Von virtuellen Treffen mit Freunden bis zu Online-Hochzeiten und Sportunterricht – die Einsatzgebiete waren zahlreich. Das erforderte auch einen entsprechenden Zuwachs an Mitarbeitern. Jetzt, drei Jahre nach dem Beginn der Pandemie, ist die Nutzung der Plattform rückläufig – mit entsprechenden Folgen. Das Team wurde um 15 Prozent gekürzt. “Wir haben uns nicht so viel Zeit genommen, wie wir es hätten tun sollen, um unsere Teams gründlich zu analysieren oder zu prüfen, ob wir nachhaltig wachsen und die höchsten Prioritäten verfolgen”, fügte Yuan hinzu.

Zoom Fatigue

Auch in finanzieller Hinsicht musste das Unternehmen Einbußen verzeichnen. Während es im Jahr 2020 einen Umsatz von 622,69 Millionen USD erzielte, waren es in diesem Jahr dagegen 4,392 Milliarden USD. Auch die Konkurrenz wächst. Plattformen wie Skype oder Google Meet bieten ähnliche Dienste an, aber die kostenlosen Konferenzen sind nicht zeitlich begrenzt wie bei Zoom – und werden daher bevorzugt.
 
Hinzu kommt, dass Zoom mittlerweile oft negativ konnotiert ist. Genauso wie es bei mir negative Gefühle hervorruft. Denn der Begriff “Zoom-Müdigkeit” wird oft mit diesem Medium assoziiert. “Der Begriff “Zoom-Fatigue” (oder “Zoom Fatigue”) bezeichnet das Phänomen, dass Videokonferenzen über den Computer (…) die Benutzer ermüden und auslaugen.”

Es muss umstrukturiert werden

Nun will Zoom sein Image ändern. In einem Blogbeitrag wurden neue Funktionen unter dem Titel “Zoomtopia 2023: Neue Angebote, die Ihnen helfen, Ihre beste Arbeit zu machen” vorgestellt. Dabei fällt vor allem der Hinweis auf die Nutzung von Zoom im Kontext der beruflichen Tätigkeit auf: “Die Arbeit ist ein wichtiger Teil unseres Lebens – viele von uns verbringen die Hälfte ihrer wachen Zeit an ihrem Arbeitsplatz. Das bedeutet, dass wir an Dingen arbeiten müssen, die wir wichtig und sinnvoll finden.”
 
Zoomtopia bietet Funktionen, die die Zusammenarbeit mit Kollegen und Kunden optimieren. Zoom Docs, die geteilt werden können, sowie das Programm Zoom AI Companion, wurden entwickelt, um die Arbeit zu erleichtern. Mit Zoom Notes und Zoom Scheduler lässt es sich besser planen. Das Angebot geht viel weiter, um der Konkurrenz entgegenzuwirken. Ob diese plötzlichen Änderungen wirkungsvoll sind oder gar zur Kenntnis genommen werden, sei dahingestellt. Die Tatsache, dass viele Menschen aufgrund der früheren Beschränkungen von Zoom auf Alternativen zurückgegriffen und sich an diese gewöhnt haben, würde eine erneute Umstellung überflüssig und unnötig beschwerlich machen. Zumindest empfinde ich das so – zumal ich durch meine Post-Corona-Distanz zu Zoom die Änderungen bis dato nicht mitbekommen habe. (zoom/focus/telekom-handel/wired/statista/wirtschaftslexikon/futureorg/signals)
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