TikTok und Mittelstand: Vorurteile überwinden

Kann Mittelstand TikTok? Er muss es, wenn er Angehörige der Generation Z als Konsumenten oder Arbeitskräfte überzeugen möchten. Doch dafür muss er eins sein: humorvoll. Ein Einblick in eine Generation und ihr mächtigstes Werkzeug.

Der Aufstieg von TikTok

TikTok – eine 2016 gegründete Plattform, die mit selbst gedrehten und Musik unterlegten Videos begann. Da die Nutzenden ihre Videos mit dem Rest der Welt teilen konnten, wurde sie schnell zu einer der am meisten genutzten Social-Media-Plattformen – inzwischen mit über einer Milliarde monatlich aktiven Nutzern (Vergleich Instagram: 1,5 Milliarden; Facebook: 2,9 Milliarden).
 
Doch die Plattform muss noch heute viele Vorurteile überwinden. Ihre Nutzer:innen sind tendenziell jünger als auf anderen Plattformen. Sie ist besonders beliebt bei der Generation Z. Also bei allen, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden. Wohl darin sind die vielen Klischees über diese Generation zu vermuten: Sie seien faul, verwöhnt, naiv und anspruchsvoll. So verleiht ihr auch brand eins, eine deutsche Wirtschaftszeitschrift, ein Brandmal mit ihrem Covertitel “Erst das Vergnügen, dann die Arbeit“. Ob es stimmt, sei dahingestellt. Tatsache ist, die meisten Angehörigen dieser Generation haben kürzlich oder werden bald die Schule oder die Uni abschließen. Damit steht fest, dass die Generation Z die Ressource der Zukunft ist. Und eine Antwort auf den Fachkräftemangel.
 
Umso wichtiger ist der Umgang mit ihnen. Denn es wäre ein Fehler, sie zu unterschätzen. Zusammengenommen ist die Generation Z riesig. Sie hat ihre Vorgeneration, die Millennials, zahlenmäßig übertroffen. Und zeichnet sich durch digitale Einheit aus. Sie beweist im Umgang mit digitalen Technologien Fähigkeiten, die andere Generationen erst mühsam erlernen mussten. Sie sind eben die digitalen Eingeborenen.

Digital Natives

Die Generation Z ist die erste Generation, die mit digitalem Marketing bombardiert wird. Das Aufwachsen unter solchen Umständen hat dafür gesorgt, dass sie einen strengeren Filter für Inhalte entwickelt haben. Heißt: Es ist schwierig, ihre Aufmerksamkeit zu erlangen und zu behalten, so die 23-jährige Gründerin des Social-Media-Unternehmens “The Z Link”, Erifili Gounari, in einem Interview für FastCompany.
 
Die Frage ist also: Wie schafft der Mittelstand es, mit dieser Generation in Kontakt zu treten? Und wie kann er Inhalte erstellen, die sie interessieren? Erifili empfiehlt, sie zum Lachen zu bringen oder ihnen auf andere Weise einen Mehrwert zu bieten. Als Beispiel nennt sie Duolingo, ein kostenloser Online-Dienst zum Erlernen von Sprachen, der auch auf TikTok aktiv ist. “Duolingo auf TikTok zum Beispiel hat eine sehr menschliche Stimme; sie veröffentlichen keine stark bearbeiteten Inhalte. Sie wollen, dass sich die Inhalte wie ein Austausch oder ein Gespräch anfühlen, nicht wie eine einseitige Marketingmaßnahme”, sagt sie.

Die Stärken von TikTok

Die Stärke von TikTok ist daher nicht, ein Markenbewusstsein zu schaffen. Das gelingt auch über die anderen Social-Media-Plattformen. Seine Stärke beginnt mit dem Engagement der Nutzenden, dessen Ergebnis sofort sichtbar wird. Wesentlicher Grund dafür ist, dass den Anwender:innen die Produktion von Videos so einfach wie möglich gemacht wird. Sie ist kostenlos, erfordert keine spezielle Ausrüstung, keine teure Software für die Bearbeitung und keine Fachleute, um sie durchzuführen.
 
Wenn Unternehmen TikTok nutzen möchten, um die Generation Z zu erreichen, sei es als Konsumenten oder künftige Arbeitskräfte, dann müssen sie eins tun: ihre Vorurteile ihr gegenüber ablegen. Oder positiv formuliert: ihr Vertrauen schenken, mit Humor begegnen und sie aufrichtig informieren. Wie es geht, zeigte Edeka Esslinger. Der Discounter begeisterte mit ihrem #wirräumenein-Video. Die Azubis und jungen Beschäftigten räumten spielerisch Waren in die Regale ein und gewannen damit das Herz der Community. Heute zählt der Account von Edeka Esslinger über 440.000 Follower:innen. Durch Tiktok seien die Bewerberzahlen so hoch wie nie zuvor. (futureorg/signals)
Wofür steht signals.observer?

Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Entsprechend groß sind die Auswirkungen, die von den vielfältigen Veränderungen für ihn ausgehen. Das Magazin “signals.observer” erklärt diese Veränderungen, lässt Expert:innen zu Wort kommen und zeigt auf, wie andere Unternehmen dieselben Herausforderungen für sich lösen.

Dabei ist es uns wichtig, Entscheider:innen im Mittelstand eine Bühne zu bieten, auf der Ihre Anliegen, Belange und Interessen vermittelt werden.

Wir sind mittelstandsfreundlich. Innovationen machen uns neugierig. Und in Technologien sehen wir die Lösung.

Herausgeber ist das futureorg Institut – Forschung und Kommunikation für KMU mit Sitz in Dortmund/NRW.

"Wir erzählen Mittelstand"
Das Magazin für Entscheider:innen