Próspera: Sind Unternehmer:innen die besseren Politiker:innen?

Unternehmen, die sich selbst regieren: eine Horrorvision oder eine Zukunftschance? Die Sonderwirtschaftszone Próspera in Honduras begeistert und spaltet zugleich. Was sich hinter dieser Idee verbirgt, habe ich mit dem Wagnis-Kapital Unternehmer Niklas Anzinger unterhalten. Er ist inzwischen die deutsche Stimme von Próspera.

Ist Próspera eine Privatstadt, die von Unternehmen regiert wird? Und damit frei von staatlichen Regeln und Kontrollen ist? Diese Fragen hat die tagesschau.de in einer Reportage diskutiert: Es sei „eines der umstrittensten Projekte in Honduras jüngerer Geschichte. Für die einen: die ersehnte Chance auf Wohlstand. Für die anderen: der Ausverkauf staatlicher Souveränität.“
 
Die Vorstellung, dass sich Unternehmer:innen frei von Politik und Politiker:innen selbst regieren, ist eigentlich ein Widerspruch. Im Gegensatz zu politischen Organisationen streben Unternehmer:innen nicht, ihre Macht zu maximieren. Ihren Umsatz ja, mit einer möglichst hohen Gewinnmarge. In diesem Zusammenhang war mein erster Gedanke: Allein die Kosten für die Administration einer solchen Initiative muss immens auf den Gewinn drücken. Was können die Interessen der Macher hinter Próspera sein? Was war denn die Notwendigkeit für Unternehmen, eine Selbstverwaltung anzustreben?

Shenzen und Dubai als Vorbild

Dazu Niklas: „Das ist ein interessantes System, was sich Próspera dort aufbaut. Ich will es ‚regulatorische Flexibilität‘ nennen.“ Die Idee ist, nicht der Staat gibt eine Regulatorik vor. Stattdessen wählen sie ihre eigene aus, die am besten zum Geschäftsmodell passt. „Du darfst die Regulatorik von Honduras nehmen, oder von einem OECD-Land. Denn OECD-Länder gelten als Best-Practice-Länder.“
 
Eine zweite Möglichkeit ist, sie schaffen sich einen eigenen Rechtsrahmen. „Wenn du sagst, dass du diese Teile des Gesetzes aus Deutschland, Teile dieses Gesetzes aus Japan haben willst, weil es mein Business optimiert, dann kannst du das machen.“ 

Steht nicht im politischen Wettbewerb

Doch dieser neuen Regulatorik muss Próspera zustimmen. Dafür werden Expert:innen ernannt, die einschätzen, wie gut diese Regulatorik geschäftsfördernd ist – „und gewissen Standards entspricht.“ Die Unternehmen haben zudem die Möglichkeit, ohne Regulatorik tätig zu werden. „Dann bist du sehr stark haftbar.“ Das Prinzip der regulatorischen Flexibilität habe den Vorteil, so Niklas, dass Lobbyismus vermieden wird, „der generell kleine Unternehmen benachteiligt.“
 
Schnell wird deutlich, Próspera verneint nicht das politische Engagement und steht nicht im Wettbewerb zum politischen Betrieb. Vielmehr will es einen verlässlichen, aber flexiblen Rahmen ermöglichen, der Unternehmen erlaubt, ihre Ideen zu realisieren. Ist eine solche Sonderwirtschaftszone für Deutschland wünschenswert?

Eine gute Idee für Deutschland?

Niklas Anzinger wirkt unentschlossen; sein Unternehmer-Herz plädiert dafür. Sein Unternehmer-Kopf hingegen hinterfragt, ob ein Próspera in Deutschland überhaupt erforderlich ist. „Klar, wir müssen den Innovationsstau auflösen. Ich glaube, wir könnten es viel besser. Nur denke ich, dass es schwierig ist, so etwas aufzubauen, weil die Leute [in Deutschland] die Notwendigkeit nicht sehen.“
 
Trotzdem können manche deutsche Unternehmen von den Vorteilen einer solchen Sonderwirtschaftszone profitieren. „Drei Industrien haben besonders großen Vorteil“, erklärt Niklas. „Einmal Bio- und Medizintechnik. Zweite ist Hardware. Und die Dritte im Krypto-Chain-Bereich.“ (futureorg/signals)
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