Unzufriedenes Pflegepersonal – sind Datenbrillen die ersehnte Entlastung?

Der Fachkräftemangel im Pflegeberuf ist in aller Munde. Hauptauslöser ist vor allem die Unzufriedenheit des Pflegepersonals. Dabei ist Zeitmangel ein unbestreitbarer Aspekt. Können die belastenden Arbeitsbedingungen durch die Einführung von Technik gelöst werden?

Qualifiziertes Pflegepersonal ist Mangelware. Wie lässt sich für den Pflegeberuf werben? Zur Beantwortung dieser Frage führte die Fachhochschule Münster mit Unterstützung des Malteser-Verbunds und weiterer Krankenhäuser im Sommer 2010 eine großangelegte Studie durch, an der etwa 3 145 Pflegerinnen und Pfleger sowie 740 Auszubildende aus dem Krankenhausbereich teilnahmen. Die Ergebnisse zeigen ein heterogenes und komplexes Gemengelage von Motiven und Problemen auf.

Nicht der Beruf, sondern die Arbeitsbedingungen sind das Problem

Grundsätzlich sind die Pflegekräfte mit ihrer Berufswahl (70 Prozent) zufrieden. 80 Prozent identifizieren sich mit ihrem Beruf. Mit dem Arbeitsplatz konkret sind dann nur noch 50 Prozent zufrieden. Nur 30 Prozent würden den Beruf weiterempfehlen. Woher kommt dieser Abstieg in der Zustimmung?
 
Den Arbeitsalltag bewerten mehr als 50 Prozent der befragten Pflegekräfte als häufig psychisch wie physisch stark belastend. Mehr als zwei Drittel der Befragten bemängelten, dass sie zur Erledigung der Aufgaben und für die Zuwendung zum Patienten nicht ausreichend Zeit hätten und die anfallende Arbeit in der dafür vorgesehenen Zeit kaum zu schaffen sei. Mit der als fehlend wahrgenommenen Wertschätzung durch Vorgesetzte zeichnen viele Pflegekräfte ein düsteres Bild für eine Vorsetzung der Tätigkeit in der Zukunft.

Ist Technik die Lösung?

Die Wissenschaftlerinnen Lisa Korte und Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko von der Universität Witten/Herdecke untersuchten in einer aktuellen Studie im Rahmen des Projekts „ATLAS Digitale Gesundheitswirtschaft“, inwiefern Führungskräfte in der Krankenhauspflege ihre Mitarbeitenden überzeugen können, digitale Innovationen in der Pflegepraxis zu nutzen. 299 über soziale Medien angesprochene Pflegefachpersonen haben sich an der Befragung beteiligt.
 
Sie war als sogenannte Vignettenstudie angelegt, bei der eine realistisch anmutende Ansprache fiktiv durchgesprochen wird. In dem Fall sollten die Führungskräfte die Anwendung eines Tablets und einer Datenbrille argumentativ begründen und die Mitarbeitenden dazu motivieren, diese zu nutzen. Der fiktive Einsatz eines Pflegeroboters als drittes Szenario wurde verworfen, da diesem gegenüber in Deutschland eine ablehnende Haltung attestiert wird.

Werte der Pflegepraxis zentral

Die Wissenschaftlerinnen sortieren die zu verwendenden Argumente auf zwei Aspekte, die sie jeweils an zwei verschiedene Pole setzten: Motive, die intrinsisch oder extrinsisch sein können sowie Werte, die einerseits effizienzorientiert oder patientenorientiert sind. So wurde geschaut, bei welchen Argumentationstypen die Pflegedienstleitung die Pflegefachkräfte am ehesten davon überzeugen kann, eine der beiden Digitaltechniken zu verwenden. Nicht überraschend ist, dass das Tablet besser angenommen wurde, der Datenbrille dagegen skeptischer begegnet wurde. Bei vielen Menschen spielt diese Technologie bereits im Alltag eine große Rolle.
 
Wird eine Technologie mit höherem Neuigkeitsgrad eingeführt, empfehlen die Studienautorinnen bei den Pflegedienstleitungen eher auf Werte zu setzen. Obwohl bekannt ist, dass die Patientenorientierung für die Pflegefachkräfte generell eine wichtige Rolle spielt, waren sie für die fiktive Ansprache der Pflegedienstleitung empfänglicher, wenn diese sich auf die Effizienz fokussierte. Letztlich ist das ein plausibles Ergebnis, da mit Zeiteffizienz die Möglichkeit verbunden ist, mehr Ressourcen für die konkrete Pflegepraxis zu haben, die sonst fehlt. Bei den extrinsisch oder intrinsischen Motiven zeigten sich dagegen keine nennenswerten Unterschiede für den Erfolg der Ansprache.
 
Das Beispiel zeigt, dass die Einführung neuer Technologien nicht auf eine Sphäre oder Tätigkeit beschränkt gedacht werden darf: Nur, wenn sie allgemein geläufig ist, kann sie in herausfordernden Bereichen wie der Optimierung von Pflege eingesetzt werden. Und: in unserer schnelllebigen Zeit ist der effiziente Umgang mit ebendiesem auch hier zentral. (futureorg/signals)
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