Online-Handel: klimafreundlich ein- und verkaufen?

Die Pandemie hat eine ohnehin schon deutliche Entwicklung verstärkt: den Boom des Onlinehandels. Händler:innen stehen nun vor der Herausforderung, ihr Geschäft klimafreundlich umzugestalten. Nicht zuletzt, weil das Thema bei Kund:innen an Wichtigkeit gewinnt.

Leitfaden kostenlos herunterladen

Die Klimaschutzoffensive des Handelsverbands hat einen umfassenden Leitfaden mit Ansatzpunkten und nachhaltigen Initiativen veröffentlicht, der Händler:innen nützliche Tipps rund um Klimaschutzmaßnahmen im eigenen Geschäft bietet.
 
Den Leitfaden „Nachhaltiger Onlinehandel“ können Sie hier herunterladen.
 

Förderung klimakluger Kaufentscheidungen

 
Die Nachfrage nach öko-fairen Produkten steigt. Wer diese anbieten oder gar das ganze Sortiment darauf umstellen möchte, kann sich eine Such- und Filterfunktion im Onlineshop einrichten. So finden Kund:innen schnell die nachhaltigen Produkte. Und je detaillierter die Artikelbeschreibungen, desto informierter und letztlich klimaklüger können die Konsument:innen Kaufentscheidungen treffen.
 

Gebündelte Bestellungen

 
Wenn es um Onlinehandel geht, ist oft schnell von der Paketflut die Rede, die durch die Zusendungen entsteht. Ein einfaches Häkchen für die Sendungszusammenführung kann dem entgegenwirken. Denn damit signalisieren Kund:innen die Bereitschaft, keine Einzelpakete zu erhalten, sondern zu warten, bis alle Artikel lieferbar sind.
 

Klimafreundlicher Versand

 
Die Wahl des Versanddienstleisters kann eine klimapositive Entscheidung sein. So können Händler:innen auf nachhaltig agierende Unternehmen setzen, die ihre Prozesse durch eine intelligentere Zustell-Planung optimieren (bessere Fahrzeugauslastung, effizientere Gestaltung von Lieferrouten). Längere Transporte mit dem Zug und die letzte Meile mittels E-Mobilität mit grünem Strom oder Lastenrädern zurückzulegen, gehört ebenfalls dazu. Viele Zusteller kompensieren ihre verbleibenden Emissionen mittlerweile. Ein Trend, der sich fortsetzen dürfte.
 
Erheblich reduzieren könnten Händler:innen die Emissionen zusätzlich, indem sie Click & Collect anbieten. Somit sparen sie sowohl die initiale Lieferung als auch mögliche Retouren ein. Rücksendungen lassen sich außerdem vermeiden. Durch möglichst genaue und aussagekräftige Produktbeschreibungen und -bilder oder gar virtuelle Anproben mittels Avataren. Zudem sollten Händler:innen stets die Rücksendegründe analysieren und daraus Optimierungspotenziale ableiten.
 

Nachhaltige Verpackungslösungen

 
Doch nicht nur die Summe aller Pakete ist das Problem, sondern auch der Versandverpackungsabfall. Häufig sind die Pakete überdimensioniert, neben der Ware wird dann eine große Menge an Luft oder unnötiges Füllmaterial mitgeliefert. Hier gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Abfallmenge zu reduzieren. Von der Nutzung gebrauchter Kartons oder umweltfreundlicher, recycelter Verpackungen über den Verzicht auf Plastik als Füllmaterial bis hin zum Einsatz innovativer Verschlusslösungen, die kein zusätzliches Klebeband mehr benötigen.
 

Grünes Webhosting

 
Logisch, jeder Onlineshop muss Webhosting betreiben. Doch wie bei allen digitalen Tools werden auch hier enorme Ressourcen verbraucht. Daher sollte man schauen, welche Anbieter klimafreundlich sind, indem sie grünen Strom für ihre Server beziehen und eigene Rechenzentren in Deutschland betreiben. Letzteres ist für Händler:innen ein großes Plus, weil Datenschutz hier strenger reguliert ist.   
 

Reparatur-Service, Recycling und Rücknahme

 
Der Onlinemonitor 2022 des Handelsverbands verzeichnet eine gestiegene Nachfrage nach Second-Hand-Angeboten im Onlinehandel. In jedem fünften Shop gibt es schon entsprechende Angebote. Und jeder dritte bietet bereits einen Reparatur-Service für defekte Waren. Handelsunternehmen können über die Rücknahme von Altgeräten Bonuspunkte bei ihren Kund:innen sammeln. Viele Onlinestores überbieten hierbei sogar die gesetzlichen Regelungen bei der Rücknahme.
 

Verhaltenspsychologisch agieren

 
Zu guter Letzt muss natürlich der Faktor Mensch berücksichtigt werden. Forscher an der Universität St. Gallen haben herausgefunden, wie Mehrfachbestellungen reduziert werden können: Wenn Kund:innen, die mehrmals den gleichen Artikel im Warenkorb haben, darauf aufmerksam gemacht werden, dass die meisten Bestellenden dies gerade nicht tun, wird der Warenkorb noch einmal überprüft. Mit einem Hinweis, wie zeitaufwendig Retouren für die Kund:innen selbst sind, lassen sich diese ebenfalls reduzieren. Ein freundlicher Hinweis an das grüne Gewissen kann also sehr wirksam sein.

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