Metaverse: Die deutsche Wirtschaft ist gespalten

Beim Metaverse zeigt sich die deutsche Wirtschaft gespalten. Skepsis und Aufgeschlossenheit halten sich die Waage. Das ergibt sich aus einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Das Metaverse: nur ein kurzfristiger Hype?

Rund jedes vierte Unternehmen steht dem Thema generell interessiert und aufgeschlossen gegenüber. Ähnlich viele aber kritisch und ablehnend. Eine knappe Mehrheit ist allerdings der Meinung, das Metaverse werde das Internet deutlich verändern. Und biete eine Vielzahl neuer Geschäftsmöglichkeiten. 42 Prozent halten es aber für einen kurzfristigen Hype, der die Erwartungen nicht erfüllen und bald wieder verschwinden werde.
 
„Das Metaverse setzt auf einer Vielzahl vergleichsweise junger Technologien auf, wie etwa der Blockchain oder auch Virtual Reality. In der Tech-Szene erwarten so manche eine regelrechte Revolution des Internets. Ob sich dies bewahrheitet, ist derzeit völlig offen“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Welche Vorteile könnte es Unternehmen bringen?

Jedes zweite deutsche Unternehmen hält eine bessere Zusammenarbeit innerhalb von Unternehmen für möglich. Mehr als jedes Dritte sagt, das Metaverse ermögliche, völlig neue Produkte und Dienstleistungen anzubieten. 15 Prozent gehen davon aus, dass sich bestehende Produkte und Dienstleistungen für das Metaverse anpassen lassen. Und 11 Prozent nehmen an, dass das Metaverse Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil ermögliche.
 
Für das eigene Unternehmen können sich die Befragten vor allem virtuelle Meetings zur unternehmensinternen Zusammenarbeit vorstellen. Sowie virtuelle Unternehmensrepräsentanzen und Schulungen von Mitarbeiter:innen. Aber auch Teambuilding-Events, Produktpräsentationen und Produktverkäufe gelten als interessant.

Metaverse in der deutschen Wirtschaft

In der deutschen Wirtschaft wird das Metaverse aktuell vor allem für die Freizeit- und Gaming-Branche als interessant eingeschätzt. Eine Mehrheit hält es zudem jeweils für digitale Plattformen, Endverbraucher, die Aus- und Weiterbildung, den Tourismus sowie die Mode-Branche für relevant.
 
Dahinter folgen die Musikbranche-Unternehmen, die sich direkt an Endverbraucher wenden. Das Gesundheitswesen sowie Unternehmen, die sich an Geschäftskunden richten. 3 von 10 der Unternehmen sehen im Metaverse zudem eine Chance für die öffentliche Verwaltung.
 
„Es gibt eigentlich keinen Bereich, in dem man sich die Nutzung von Metaverse-Anwendungen nicht vorstellen“, so Rohleder. „Dabei geht es längst nicht nur um Entertainment. Eine Fortbildung kann in der virtuellen Realität ebenso effektiv sein, wie etwa die Konsultation eines Arztes.“

Herausforderungen rund um das Metaverse

Die Unternehmen sehen eine Vielzahl von Herausforderungen rund um das Metaverse. So wird beklagt, dass die Technologie noch nicht ausgereift ist. Und es an Standardisierung von Metaverse-Anwendungen fehlt. Aber auch der Nutzen wird allgemein noch infrage gestellt. So fehlt es zwei Dritteln an praktischen Anwendungen, ähnlich viele möchten erst mal abwarten, was andere mit dem Metaverse machen.
 
Aber auch die Regulierung in Deutschland blockiert den Weg ins Metaverse. 62 Prozent beklagen die Anforderungen an den Datenschutz. 46 Prozent sehen rechtliche Unsicherheiten im Metaverse. Und 29 Prozent sorgen sich um Anforderungen an die IT-Sicherheit. Unternehmensinterne Hemmschuhe sind derzeit fehlendes Know-how und fehlendes qualifiziertes Personal, aber auch unzureichende Budgets.
 
„Damit das Metaverse ein Erfolg wird, braucht es dringend Standards und Interoperabilität. Die wenigsten Unternehmen werden Zeit und Geld in die Hand nehmen, um bei einer Metaverse-Lösung dabei zu sein, wenn sie Gefahr laufen, auf das falsche Pferd zu setzen“, sagt Rohleder.

Den Weg ins Metaverse erleichtern

Den Weg ins Metaverse erleichtern würden der deutschen Wirtschaft vor allem bessere Informationen über marktfähige Metaverse-Anwendungen. Aber auch die finanzielle Förderung von Metaverse-Projekten in Unternehmen und Hilfestellung bei der rechtlichen Beurteilung des Einsatzes stehen auf der Wunschliste.
 
Jeweils 45 Prozent würde eine bessere Verfügbarkeit von Fachkräften und der Ausbau von Forschungsaktivitäten an Hochschulen helfen. 43 Prozent haben Interesse an Roadshows und Konferenzen, die konkrete Anwendungen zeigen. 41 Prozent am Austausch mit Unternehmen, die beim Thema bereits weiter sind.

Deutschland im Wettbewerb

Aktuell droht Deutschland nach Einschätzung der Unternehmen beim noch jungen Thema Metaverse international abgehängt zu werden. Praktisch kein Unternehmen hält Deutschland beim Metaverse für weltweit führend oder in der Spitzengruppe. Nur 4 Prozent verorten Deutschland im Mittelfeld. Aber 30 Prozent unter den Nachzüglern. Und 56 Prozent halten Deutschland bereits für abgeschlagen. 11 Prozent trauen sich keine Einschätzung zu.
 
Rohleder: „Das Metaverse kann sich zu einem technologischen Megatrend entwickeln. Wir dürfen hier nicht an der Seitenlinie stehen und zuschauen, was unsere Wettbewerber tun. Gerade in dieser Frühphase ist der Gestaltungsspielraum besonders groß. Ihn müssen wir nutzen.“ (bitkom/futureorg/signals)
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Herausgeber ist das futureorg Institut – Forschung und Kommunikation für KMU mit Sitz in Dortmund/NRW.

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