City-Logistik: Wie die grüne und soziale Innenstadt gelingen kann – ein Videointerview mit Thomas Töpsch

Deutsche Innenstädte sterben nicht aus, ist Thomas Töpsch überzeugt. Aber die Akteure in einer Stadt müssen gemeinsam am Strang ziehen. Das Beispiel „Grünfuchs“ aus Göttingen zeigt, wie es funktioniert. Im Videointerview diskutiert Thomas die Herausforderungen und Trends in der City Logistik.

Die Entscheidung der Karstadt-Chefetage hat die Republik geschockt: In vielen Städten werden die Kaufhäuser dicht machen. Diese Entwicklung schmerzt die vielen Tausend Beschäftigten. Denn es ist fraglich, ob der Einzelhandel diesen Menschen wiederholt eine Perspektive anbieten kann. Dies jedoch ist nur die eine Seite des Trauerspiels.

Das Warenhaus – einst Kathedrale des Handels

Sterbende Innenstädte sind in Deutschland lange ein Thema. Karstadt steht sinnbildlich für diese schleichende Abwärtsspirale. Bereits 2009 waren die Karstadt-Warenhäuser von der Insolvenz bedroht. Seitdem gleicht ihr Zustand einem Patienten, der sich nie richtig von seinem Herzinfarkt erholt hat. Dabei standen sie für eine Innovation: Einkaufen als Erlebnis.
 
Einst galt das imposante, oft mehrstöckige Warenhaus als „eine Kathedrale des Handels für ein Volk aus Kunden“, wie der französische Schriftsteller Emile Zola es 1883 beschrieb. In ihm fanden die Kunden alles, was die Region bieten konnte. Und das zu Preisen, die attraktiv waren, verbunden mit zahlreichen Möglichkeiten des legeren Zeitvertreibs.

Wie sieht die Zukunft der Innenstädte aus?

Das Prinzip aber, Kunde geht zur Ware, ist überholt. Heute kommen die Waren zum Kunden. Für diesen Bruch der Spielregeln im Handeln wird auf Jeff Bezos‘ Amazon verwiesen. Haben deutsche Innenstädte überhaupt eine Zukunft? Wenn ja, wie kann sie aussehen?
 
Thomas Töpsch hat sich dieser Herausforderung gestellt. Vielmehr möchte der Ingenieur für Maschinenbau mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Anders funktioniert es nicht; einerseits sollen die Innenstädte wieder attraktiver werden, andererseits wünscht sich der Konsument, dass seine Bestellung so schnell wie möglich nach Hause geliefert wird.

Stationäre und Online-Handel versöhnen

Thomas‘ Strategie: Gegensätze vom stationären und Online-Handel versöhnen, indem lokale Akteure mit Technologien gestärkt und ihre geballte Kraft verknüpft werden. Dafür arbeiten Einzelhändler, Logistikunternehmen und Anbieter von Lagerhallen in derselben Stadt mit Herstellern und Betreibern von Lastenrädern zusammen.
 
Das technologische System für die Citylogistik, um die Wertschöpfung alle Akteure zu koordinieren, liefert Thomas und sein Team von Nucleus7 GmbH. Eine wichtige Säule in diesem Netzwerk ist die kommunale Verwaltung. Der politische Wille ist oft der Startschuss für diesen Schritt.

Grünfuchs als Fallbeispiel

Der Kunde hat nun die Wahl. Er bestellt von zu Hause bei einem lokalen Anbieter. Oder: Er geht in die Innenstadt, probiert und wählt seine Ware vor Ort aus. Er lässt sie aber zur Wunschzeit nach Hause liefern. Dass Thomas‘ Idee keine Vision ist, die in weiter Ferne liegt, zeigt das Beispiel „Grünfuchs“ aus Göttingen.

Für Thomas geht es nicht bloß um den Transport einer Ware von A nach B. Seine Vision ist die grüne und sozial verträgliche Innenstadt; grün, weil er die innerstädtische Emission drastisch reduzieren möchte. Der Einsatz von Lastenrädern ist eine Maßnahme. Fahrtstrecken zu minimieren und Leerfahrten zu vermeiden, mithilfe von intelligenten Systemen, sind genauso wichtig. Hiervon profitiert nicht nur Umwelt, sondern auch die Menschen, die diese Strecken tagein, tagaus absolvieren müssen.

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