Krisenmanagement: Erkenntnisse aus der VUKA-Welt

Komplexe Bedrohungsszenarien zwingen Unternehmen, neue Strategien des Krisenmanagements zu implementieren. Dazu bietet Waltraud Gläser, VUKA-Expertin, ihre Empfehlungen. Zentral ist: Transformation der Arbeitswelt erfordert transformiertes Denken – um in Krisenzeiten handlungsfähig zu bleiben.

Unterschiedlichste Krisenszenarien können für Unternehmen schnell existenzbedrohend werden. Krise soll hier als eine Situation verstanden werden, die mit bereits verfügbaren organisatorischen und technischen Mitteln nicht mehr bewältigt werden kann. In Krisenzeiten handlungsfähig bleiben wird also zentral: Dazu bietet der Expertenkreis Unternehmenssicherheit des BVMW eine Artikel-Serie – damit die Geschäftsleitung sich auf Notfälle vorbereiten und standardisierte Handlungsabläufe entwickeln kann.
 

Neue Bedingungen erfordern neues Denken

 
Krisenmanagement präventiv vorzubereiten, ist eine zentrale Empfehlung. Gutes Krisenmanagement sollte damit rechnen, präventiv zu agieren, um eine Krise gar nicht entstehen zu lassen. Dies betont auch Waltraud Gläser, VUKA- und Transformationsexpertin. „Unter den Bedingungen von VUKA geht meine Empfehlung dahin, neben der üblichen Planung von konkreten (Re-)Aktionen, die ja teilweise durch das betriebliche Risikomanagement vorgegeben sind, mehr den Fokus auf Vorbereitung zu legen“, sagt die Trainerin und Entwicklerin des VUKA Facilitator. Zumindest sollte einen „Plan B“ antizipiert werden.
 
Jedoch stellen unsichere Rahmenbedingungen in Krisenzeiten eine zusätzliche Herausforderung dar. In einer komplexen Welt sind die Ereignisse nicht mehr linear oder kausal verbunden. Es kommt zur Disruption und „Ungleichzeitigkeit“, so Gläser. Daher besteht eine Grenze des Krisenmanagements darin, dass alte Logiken für die neuen Situationen nicht mehr gelten. Entsprechend bringt das alte Denken auch nicht mehr die benötigte Lösung. „Dabei ist der ‚vom Ende aus rückwärts denken‘ ein Ansatz, der geübt werden sollte“, behauptet die VUKA-Expertin. „Statt dem klassischen Forecasting ist die Methode des Backcasting hilfreich.“
 

Für die Zukunft planen

 
Um Zukunft und zukünftige Krisen zu antizipieren, gibt es bewährte Methoden und „Werkzeugkästen“, zum Beispiel Predictive Market Analytics. Diese sind bereits anerkannt und getestet – können aber weiterhin hilfreich sein. Innerhalb eines Unternehmens ist auch klare, transparente und nachvollziehbare Kommunikation unverzichtbar – insbesondere dann, wenn eine Krise entsteht. „Ebenso ist der Dialog mit allen Stakeholder, intern und extern, zu jeder Zeit höchst relevant“, betont Gläser.
 
Es braucht letztendlich eine Strategie, die im Falle von Krisen schnell umsetzbar ist. Die Zukunft könnte nämlich eine Serie von neuen Krisen mit sich bringen. Als besonders drohend nennt Waltraud Gläser der Mangel an Arbeitskraft. Dazu kommt die unzureichende Bereitschaft für, und das Umsetzen von, passenden Digitalisierungsstrategien. „Beide Themen sollten im ‚sowohl als auch‘-Modus gedacht und umgesetzt werden“, resümiert Gläser. (futureorg/signals)
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