Digitalkompetenzen im Alter: Gerechte Zugangsmöglichkeiten fehlen

Je älter die Menschen sind, umso weniger sind sie in der digitalen Welt aktiv. Dies zeigen verschiedene Studien – unter anderem die SIM-Studie „Senior*innen, Information, Medien.“ Dabei wird kontinuierliche Unterstützung gefördert. Mit diesem Thema beschäftigt sich Dagmar Hirche – für digitale Gesundheit im Alter.

Die 2021 SIM-Studie „Senior*innen, Information, Medien“ zeigt deutlich: Ältere Generationen haben oft Probleme mit der Technik. Dabei bietet der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) einen Einblick in die Mediennutzung von Bundesbürgern ab 60 Jahren. Die Studie steht in der Tradition der Studienreihen KIM (Kindheit, Internet, Medien) und JIM (Jugend, Information, Medien), die seit über zwanzig Jahren laufen. Die ersten Ergebnisse zeigen große Unterschiede im Zugang zum Internet nach Altersgruppe.
So verfügen 83 Prozent der Befragten über einen Internetanschluss. Jedoch sinkt der Anteil auf 55 Prozent in der Altersgruppe über 80 Jahren. Letztendlich ist jede fünfte Person über 60 Jahren komplett offline. Digitalisierung kann also für ältere Menschen eine Herausforderung darstellen. So fasst die Studie zusammen: In Bezug auf Internet und digitale Gesundheit besteht immer noch Unterstützungsbedarf. Mehrere Initiativen verfolgen dieses Ziel – unter anderem der „Wege aus der Einsamkeit“ e.V.
 

Digitale Welt für Senioren nicht zugänglich

 
„Die Arbeitswelt war früher nicht so digital wie heute, sodass keine Notwendigkeit bestand, den Umgang mit dem Internet zu lernen.“ Sagt Dagmar Hirche, Vorstandsvorsitzende bei Wege aus der Einsamkeit e.V. „Heute ist es umgekehrt. Es ist auch für Senioren absolut notwendig, den Umgang zu lernen.“ Doch dies ist nicht für alle möglich. Unter anderem können teure Angebote und Altersarmut den Zugang zur digitalen Welt hindern. Menschen in Seniorenanlagen werden oft ausgeschlossen, da viele Zimmer keine WLAN-Zugänge haben.

Dagmar Hirche ist Vorstandsvorsitzende bei Wege aus der Einsamkeit e.V. Der Verbund beschäftigt sich mit Generationsproblematiken und dem Leben im Alter. Dabei ist digitale Bildung ein wichtiger Fokus. Seit 14 Jahren fördert Hirche als Vorständin Sichtbarkeit und Teilhabe für Menschen über 65 Jahren

„Zu wenige kostenfreie, niedrigschwellige Schulungsangebote sind die größte Herausforderung“, so Hirche. „Dazu kommen zu wenige Wiederholungen, da die digitalen Anwendungen immer wieder wiederholt werden müssen und auch die Neuerungen geschult werden müssen. Und zu wenig Förderung durch den Staat.“ Der Verein „Wege aus der Einsamkeit“ finanziert kostenfreie Angebote ausschließlich über Spenden. Auch fehlt in Deutschland das Bewusstsein dieser Herausforderungen.
 

Digitale Kompetenzen fördern

 
Für verbesserte Digitalkompetenzen im Alter wünscht sich Hirche rechtliche Vorschriften für digitale Unternehmen sowie ein Grundrecht auf Zugänge zur digitalen Welt. Armut sowie das Leben in Alten- oder Pflegeheimen sollten kein Ausschlusspunkt sein. „Digitale Bildung muss immer alle Menschen einbeziehen, egal wie alt“, führt Hirche aus. „Ein Grund-Digitaler Zugang muss überall ermöglicht werden. Digitale Produkte müssen für die Nutzer verständlich sein und in einfacher Sprache erklärt werden.“
 
Letztendlich betrachtet Hirche eine gute Digitalkompetenz im Alter als wichtig für das soziale Leben von Senioren. Denn „man kann an digitalen Veranstaltungen teilnehmen, wenn der Besuch von analogen Veranstaltungen durch Krankheit oder Mobilitätseinschränkungen nicht mehr möglich ist.“ Digitale Reisen, Museumsbesuche, Konzerte, Video Calls mit Freunden und vieles mehr können einen richtigen „Weg aus der Einsamkeit“ darstellen.(iwd/futureorg/iodata/iovolution)
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