Digital Detox: Um Technologie bewusst zu nutzen

Fast die Hälfte der Internutzer haben mindestens einmal bewusst ihre Nutzung reduziert, so eine Bitkom-Umfrage über den Trend Digital Detox. Insbesondere in der aktuell fragmentierten Arbeitswelt sehnen sich die Meisten nach mentaler Klarheit: Über das Nutzen von Digital Detox äußert sich Liane Stephan.

Anruf statt Chat-Nachricht, Buch statt Smartphone, Einkaufsbummel statt Online-Shopping: Beim Digital Detox wird für eine bestimmte Zeit gezielt auf Internet und digitale Medien verzichtet, um den Konsum insgesamt zu reduzieren und wieder mehr Zeit bewusst offline zu verbringen. Knapp ein Zehntel der Internetnutzer hat sich dies für das neue Jahr vorgenommen. Das zeigt eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 1.000 Personen in Deutschland ab 16 Jahren. Demnach haben 43 Prozent der Onliner in der Vergangenheit bereits mindestens einmal zeitweise bewusst auf Internet oder digitale Medien verzichtet – doch nicht immer bedeutete das einen Komplettverzicht.
 
„Durch die Einschränkungen in der Pandemie haben viele Menschen mehr als jemals zuvor auf digitale Medien zurückgegriffen und die Nutzungszeiten sind massiv in die Höhe gegangen. Digital Detox war wohl noch nie so schwer wie in Zeiten des Social Distancing“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Insgesamt ist der bewusste Verzicht auf digitale Medien für viele Menschen eher eine einmalige Sache – und dabei halten die meisten nicht lange durch. So hat knapp die Hälfte derjenigen, die schon einmal eine bewusste Auszeit von digitalen Medien und dem Internet genommen haben, dies erst ein einziges Mal ausprobiert.
 

Digital Detox für mentale Klarheit

 
Liane Stephan, Anbieter für Leadershipdevelopment, Organisationsentwicklung und Förder von Achtsamkeit in Organisationen, betont die Wichtigkeit, bewusst Zeit offline zu verbringen. „Wir brauchen einen wachen Geist und eine hohe Bewusstheit, um nicht immer wieder in alte Muster zu verfallen“, erklärt die Co-Gründer der Awaris gGmbH & Inner Green Deal GmbH. Achtsamkeit ist dabei eine zentrale Fähigkeit, um die Reiz-Reaktionsmuster im Umgang mit digitalen Medien zu unterbrechen. Und die Nachfrage nach Digital Detox steigt aktuell enorm.
 
In einer völlig digitalisierten Welt läuft die Mehrzahl aller Kommunikationseinheiten über technologische Kanäle. Und die darauffolgende „Fragmentierung“ erschöpft unsere mentale Kapazität und macht uns auch abhängig, so Stephan. „Digital Detox ermöglicht uns, uns wieder mit uns selbst zu verbinden, die ‚Außenorientierung‘ fallen zu lassen und sich nach innen auszurichten.“ Die Energie, die damit gespart wird, ist in einer fragmentierten und arbeitsaufwendig Welt besonders wichtig. Denn „die Menschen sehnen sich nach Ruhe, Klarheit und Einfachheit.“
 

Technologien können zur Sucht führen

 
Jedoch ist die Auszeit insgesamt eher von kurzer Dauer, so die Bitkom-Umfrage. So hielten die meisten Befragten maximal einige Stunden ohne Unterbrechung durch (53 Prozent). Ein Fünftel (21 Prozent) verzichtete zwar länger, aber nicht mehr als einen Tag. Weitere 15 Prozent verbrachten mehrere Tage ohne digitale Medien und nur 6 Prozent haben eine Woche oder länger durchgehend darauf verzichtet. Der Grund? Wir sind süchtig danach. So führt Stephan aus: „Unser Gehirn hat sich an eine kontinuierliche Reizwelle von Nachrichten und Neuigkeiten gewöhnt und möchte mehr davon. Man kann mit dem Zigarettenrauchen auch nicht gleich ganz aufhören: So ist das auch mit digitalen Medien.“
 
Im Kreis der Bitkom-Befragten ist es nämlich niemandem gelungen, sich einen Monat oder länger von digitalen Medien fernzuhalten. Die Achtsamkeit-Coach fördert dabei erstmals kleine Schritte: „Kontinuierlich können wir nicht frei von digitalen Medien und Geräten sein. Aber es hilft schon, manchmal das Mobile andersherum auf den Tisch zu legen, oder alle zwei Tage einige Stunden Digital Detox zu machen“, so Stephan. So öffnet sich Zeit für kreative Arbeit, oder die Gewohnheit entsteht, morgens nicht gleich digital zu starten, sondern auf einem Papier den Tag strukturieren. Die Expertin schließt ab: „Gelegentlich sollte jeder auf ein Retreat gehen und ganz loslassen von diesen fragmentierenden Verführern.“(bitkom/futureorg/signals)
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