Die Zukunft der Bildung: für eine neue Arbeitswelt

Bildung wird zunehmen zur zentralen Ressource für Nationen und Individuen, so der Anlass zur Bildung-Podcast-Episode der Stiftung für Zukunftsfragen. Doch für eine positive Zukunft muss Bildung attraktiver gemacht werden. Neben die vom Podcast formulierten Ansätzen geben zwei Experten im Bereich der Bildung ihre Einblicke in die Zukunft.

Gegenwärtig glauben nur zehn Prozent der Bundesbürger, dass das deutsche Bildungssystem gut auf die Zukunft vorbereitet ist. Auf internationaler Ebene genießt das deutsche Bildungssystem zwar einen guten Ruf – doch Deutschland zählt nicht zu den führenden Nationen. Nachholbedarf kann in mehreren Bereichen erkannt werden. Kontrovers ist insbesondere die Chancengleichheit: Der Bildungshintergrund der Eltern bestimmt immer noch zu häufig den Bildungserfolg des Kindes. Dabei sind die Zukunftserwartungen nicht optimistisch.
 
Jedoch halten viele Bundesbürger Bildung als lebenslang wichtig. Weiterbildungsangebote sind in der Theorie attraktiv – allerdings in der Praxis nur selten genutzt. Spaß am Lernen sei hier zentral. Auch zu beachten, damit Lernen positiv gesehen, angeboten und erlebt wird, sind Fragen des Lernortes, der Lerninhalte und der Verantwortung. Zudem wird Bildung oft mit Begriffen wie Anstrengung, Mühsal, Druck oder Pflicht verbunden. Eine positivere Einschätzung des Lernprozesses kann die Zukunft der Bildung – und somit der Arbeitswelt – beeinflussen.
 

Kritikfähigkeiten zunehmend wichtig

 
Einige Fähigkeiten und Kompetenzen sollen zukünftig noch wichtiger werden. So sollten Kinder und Jugendliche dazu befähigt werden, selber neue Lösungen zu finden sowie kreativ und kollaborativ zu arbeiten. Dieser Meinung ist Uwe Berger, Coach und Mentor für Markenführung. „Es geht nicht mehr um Wissen von A bis Z“, sagt er. „Es geht um die Frage, wie man Probleme erkennt, formuliert und sie dann in interdisziplinären Teams löst.“ Entscheidend für die Zukunft ist dabei auch die Kompetenz, mit der zunehmenden Fülle an Informationen kritisch umzugehen.

Uwe Berger Personenvorstellung

Uwe Berger ist Gründer und CEO mehrerer Markenagenturen sowie Coach und Mentor für Branding und Markenführung. Mit der B&B. Markenagentur GmbH ermöglicht er Unternehmen, den Sinn ihrer Marke zu finden.

Aus dem Bereich des Wissens wird zudem der Fokus auf emotionale Stabilität gelegt. So Daniel Jung, Gründer und CEO der Daniel Jung Media GmbH: „Das Wissen, wie man sich eigenständig neue Dinge beibringt und natürlich die Fähigkeit der Kommunikation mit Menschen, analog wie digital, wird zunehmen wichtig. Und das gepaart mit hoher Kritikfähigkeit.“ Fragen der Verantwortung bringen hier Eltern, Staat und Arbeitgeber zusammen – doch das Individuum sollte auch verantwortlich sein: Denn ohne persönliche Bereitschaft, lernen zu wollen, nützt es nur wenig.

Daniel Jung Personenvorstellung
 
Daniel Jung gründete 2015 die Daniel Jung Media GmbH, deren Programm die Demokratisierung der Bildung ist. Mit Erfahrung als Entrepreneur, Produzent von Mathematikerklärvideos und Gestalter von Crashkursen für Studenten fördert er die Erreichung der Bildungsgerechtigkeit und das Interesse am MINT Bereich.

Digitale Bildung für die neue Arbeitswelt

 
Die Zukunft der Bildung und die Zukunft der Arbeitswelt sind eng miteinander verbunden – mit Herausforderungen muss auch im zweiten Bereich gerechnet werden. „Soziodemografisch wird das Nadelöhr immer kleiner“, so Berger. „Wenn wir die Transformation der Arbeit schaffen wollen, muss uns Transformation der Bildung gelingen.“ Bildung müsse radikal verändert werden – und das viel schneller, als im letzten Jahrzehnt gelungen. Ohne Bildungsreformierung wird keine Zukunft der Arbeit ermöglicht.  
 
Schnelle Veränderungen sieht Jung auch als notwendig: Zentral für die Weiterentwicklung der Bildung und der Arbeitswelt sei das „Verständnis für immer schnellere Veränderungen, die nun durch die flächendeckende Vernetzung erweitert und damit permanente Innovationen hervorbringen wird.“ Beispielsweise könnten außerschulische Lernorte zukünftig eine größere Rolle spielen. E-Learning Möglichkeiten müssen in diesem Zusammenhang auch besonders betrachtet werden. Sogar Interaktionen mit Menschen können in einer digitalisierten Lernwelt anders aussehen.
 
Bei der Digitalisierung der Kommunikation geht es nicht nur um Devices. „Es geht um das Mindset der Lehrenden und Lernenden“, erklärt Uwe Berger. „Wir dürfen nicht alte Strukturen digital adaptieren. Wir müssen das ganz neu denken. Soziale Nähe bleibt dabei ein Schlüssel. Wir sollten Lehrende eher als ‚Enabler‘ sehen.“ Denn nicht alle brauchen das gleiche Wissen. Die Individualisierung der Bildung sieht der Experte als zentral für eine positive Zukunft. (zukunftserwartungen/futureorg/signals)
Excelst du noch oder analysierst du schon?
Über die Säulen der Datenanalyse - lesen Sie den aktuellen Beitrag auf iovolution.de

Empfehlungen für Sie