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Widerstandsfähig in der Krise: Zwischen staatliche Förderung und einfach selbst machen

Innovative Unternehmen sind in Krisen widerstandsfähiger, wie vergangene Rezessionen zeigen. Doch Corona zwingt viele, ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung zurückzufahren. Wie sinnvoll sind staatliche Förderungen, um Innovationsfähigkeit zu fördern?

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Innovative Unternehmen sind in Krisen widerstandsfähiger, wie vergangene Rezessionen zeigen. Doch Corona zwingt viele, ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung zurückzufahren. Wie sinnvoll sind staatliche Förderungen, um Innovationsfähigkeit zu fördern?
Die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie werden Unternehmen voraussichtlich dazu zwingen, ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) zurückzufahren. Allerdings zeigen die Erfahrungen aus vergangenen Rezessionen, dass innovative Unternehmen in Krisenzeiten deutlich widerstandsfähiger sind und weniger Beschäftigung abbauen als Unternehmen ohne Innovationen.
 
Zwar wird die derzeitige Corona-Krise zahlreichen Unternehmen kreative Lösungen für Produktneuheiten abverlangen. Im Unterschied zu früheren Krisenzeiten fehlen jetzt allerdings Kooperationsmöglichkeiten mit externen Partnern – und das in Kombination mit Homeoffice-Arbeit erschwert die Bedingungen auch für eigene FuE in Unternehmen, zeigt ein aktueller policy brief des Leibniz-Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (kurz: ZEW) Mannheim zusammen mit dem AIT – Austrian Institute of Technology.

Prof. Dr. Bettina Peters

Prof. Dr. Bettina Peters ist stellvertretende Leiterin im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ und Honorarprofessorin für Innovation an der Fakultät für Rechts-, Wirtschafts- und Finanzwissenschaften der Universität Luxemburg. 

Rezession nach der Corona-Pandemie

 
Zahlreiche Prognosen gehen derzeit davon aus, dass die Pandemie des Corona-Virus auch für viele europäische Staaten eine schwerwiegende Rezession nach sich ziehen wird. Diese wirtschaftliche Rezession wird auch die Bereitschaft von Unternehmen, in Forschung und Entwicklung zu investieren, und ihre Möglichkeiten, neue Produkte und Dienstleistungen am Markt zu platzieren, einschränken.
 
Die ökonomische Forschung zeigt jedoch, dass gerade FuE ein zentraler Treiber für Wirtschaftswachstum und damit auch für eine wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise ist. Dieser Treiber steht jetzt auf dem Spiel. Sven Neumann, Inhaber der Denkfabrik impacts4u, verfolgt seit Jahren die Innovationstätigkeiten im Mittelstand. „Meiner Beobachtung nach waren gut drei Viertel der KMU in meinem mittelständischen Branchenumfeld, also dem Maschinen- und Anlagenbau, der Logistikindustrie, vor der Pandemie finanziell gut aufgestellt.“ Für Sven Neumann bedeutet dies: „Sie waren in der Lage, ohne Betriebseinnahmen mindestens drei Monate Flaute zu überstehen.“ Jedoch wurden die KMU branchenübergreifend durch die Pandemie insbesondere durch den abrupten Liquiditätsmangel hart getroffen. „Durch Ad-hoc-Maßnahmen zur Liquiditätssicherung konnten viele Unternehmen das Schlimmste verhindern, allerdings auf Kosten der Innovationstätigkeit“, betont Neumann.

Sven Neumann

Sven Neumann ist Innovationsbegleiter. In dieser Rolle leitet er die Dortmunder Denkfabrik „impacts4u“. Gleichzeitig begleitet er Kund:innen des Beratungshauses „startify“ in Innovationsprojekten. Er unterstützt vorwiegend mittelständische Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau, der Logistikindustrie und der Kommunalwirtschaft.

Nicht alle Unternehmen gleichermaßen betroffen

Aus früheren Wirtschaftskrisen ist bekannt, dass nicht alle Unternehmen gleichermaßen betroffen sind. Etwa hat die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/2009 vor allem international aktive Unternehmen schwer belastet. „Wir können also damit rechnen, dass auch die aktuelle Corona-Krise die Innovationsaktivitäten von exportstarken Unternehmen in Deutschland stärker trifft“, sagt Prof. Dr. Bettina Peters, stellvertretende Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ sowie Mitautorin des ZEW policy brief.
 
An Liquiditäts- und Finanzierungsproblemen in Folge von Krisen leiden vor allem kleine und mittlere Unternehmen. Große Unternehmen dagegen verfügen meistens über mehr interne Finanzmittel und haben einen besseren Zugang zu den Kreditmärkten. „Es ist gut, dass die Regierungen mehrerer europäischer Länder staatliche Unterstützungsprogramme für Unternehmen beschlossen haben. Bei einer länger anhaltenden Krise ist aber dennoch davon auszugehen, dass die Unternehmen in Liquiditätsprobleme laufen“, sagt ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach. „Und das wirkt sich wiederum auf die Möglichkeit der Unternehmen aus, in Forschung und Entwicklung zu investieren“.
 

Corona-Krise zwingt Unternehmen zu Kreativität

Während die meisten Unternehmen in Deutschland ihre FuE-Ausgaben am Wirtschaftszyklus ausrichten und damit in der Rezession herunterfahren, haben etwa 34 Prozent aller deutschen Unternehmen ihre Innovationsaktivitäten in der Finanzkrise 2008/2009 antizyklisch erhöht. Die Folgen der damaligen Rezession wurden von innovativen Unternehmen in Europa wesentlich besser verkraftet, so mussten sie unter anderem weniger Stellen streichen als Unternehmen, die nicht oder kaum innovieren.
In der Tat sind auch durch die Corona-Krise zahlreiche Unternehmen gezwungen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, so zum Beispiel in der Gastronomie, bei Zustelldiensten oder digitalen Angeboten.
 
FuE ist jedoch häufig an bestimmte technische Ausstattungen, wie Labore oder Werkstätten, gebunden und zugleich ein kollaborativer Prozess, der die Zusammenarbeit von Menschen voraussetzt. „Auch wenn die jetzige Krise Zeit für Kreativität gibt, werden wir weniger antizyklisches Innovationsverhalten als während der Finanzkrise 2008 und 2009 zu sehen bekommen“, so Prof. Dr. Bettina Peters. Dem stimmt Sven Neumann zu.
 
Er findet, dass es für bessere Resilienz an vielen Voraussetzungen fehlt. Unternehmen seien gut beraten, organisatorische und finanzielle Vorkehrungen zu treffen. Hiervon hänge ab, wie schnell Unternehmen auf veränderte betriebswirtschaftliche Rahmenbedingungen reagieren können. Für die Zukunft sei es eine Voraussetzung, dass Einschränkungen in der Geschäftstätigkeit die Innovationsfähigkeit mit Blick auf Produkte, Services und ihr Vertrieb nicht behindern. „Vor allem darf das Finanzmanagement und die Kreditfinanzierung nicht mehr beschränkt werden“, betont der diplomierte Kaufmann, der auch an die Unternehmen appelliert: „Zur Verbesserung der Resilienz gehört auch, Mut zu zeigen und einfach einmal machen statt abwarten.“
 

Finanzierung oder Kooperation, was ist wichtiger?

Für die Politik bedeutet das aus Sicht der Autor:innen des ZEW policy brief, dass direkte und indirekte Finanzierungsinstrumente helfen können, Liquiditätsengpässe für Innovationsprojekte insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen zu überwinden und Zukunftserwartungen zu stabilisieren. Das grundsätzliche Problem für die Innovationstätigkeit in der derzeitigen Krise scheinen allerdings die Einschränkungen des Wirtschaftslebens zu sein.
 
Wenn sich das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wieder normalisiert, könnte eine zusätzliche Finanzierung notwendig werden, um zu verhindern, dass Unternehmen dauerhaft ihre Innovationsaktivitäten einstellen. „Eine solche Förderung sollte vor allem kleinen und mittleren Unternehmen zugutekommen“, befindet Prof. Dr. Bettina Peters. Dem widerspricht Sven Neumann nicht. Er ist jedoch der Auffassung, dass staatliche Förderungen ein begleitendes Angebot sein sollten. Jede gute Innovation muss am Ende eine realistische Chance am Markt haben und wirtschaftlich sein. Über die Förderung hinaus sei es daher wichtig, die branchenübergreifende Zusammenarbeit des Mittelstands zu stärken.
 
(leibniz-gemeinschaft/futureorg/signals)
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